Seit 1954 wird an Himmelfahrt das Bergfest auf dem Gipfel des Hohenstaufen gefeiert. Eine Tradition der Musikkapelle Hohenstaufen die in so eindrucksvoller Weise nicht nur die Freude und Begeisterung der Musiker am musizieren für sich uns andere demonstriert, sondern inzwischen auch die Willenskraft von 4 Generationen von Musikern dokumentiert, an dem Bergfest auf dem Hohenstaufen am Tage der Himmelfahrt, trotz oftmals widriger Wetterumstände, festzuhalten.

Die erste urkundliche Erwähnung des Bergfestes findet sich in einem Protokoll einer Monatssitzung der Musikkapelle vom 14.05.1954.
Zitat: „Auf Antrag von Bürgermeister Regler soll am Himmelfahrtstag auf dem Berg gespielt werden“
Obwohl es sich von 1954 bis 1956 nur um musikalische Auftritte handelte, wurde den damals Verantwortlichen bei der Musikkapelle schnell klar, dass ein Bergfest in geradezu idealer
Weise Ideelles und Nützliches verbinden kann.
In der Generalversammlung vom 05.01.1957 wird vom damaligen Vorstand Fritz Seitz der
Vorschlag unterbreitet beim Bergfest fortan die Besucher auf dem Berg nicht nur musikalisch zu unterhalten, sondern auch mit einem schmackhaften Vesper und Getränk zu versorgen.  

Zu Beginn war natürlich Fassbier im Ausschank, der Transport des Bieres erfolgte durch den eigenen Bierwagen der Brauerei zum Rad Göppingen, unter oftmals schwierigsten Wegbedingungen. Vor allem bei Nässe war der Vorspann eines Traktors notwendig um das köstliche Nass sicher ans Ziel zu bringen.
Allerdings musste das zum Schwenken der Steinkrüge notwendige Wasser in Kanister und Fässer auf den Berg getragen werden. Die sich veränderten hygienischen Bedingungen gaben dann dem Flaschenbier den Vorzug, dass wie das Fassbier mühsam mit Trockeneis und Planen gekühlt werden musste.
Seit 1993 wird den Besuchern des Bergfestes wieder Fassbier kredenzt.

Während seit vielen Jahren ein Fahrzeug für den Nachschub sorgt, galt es früher im Eilmarsch die Versorgung von Bäcker und Metzger aus dem Dorf sicher zu stellen.
Was sich über die ganzen Jahre erhalten hat ist das Angebot der über die Grenzen bekannten immer frisch zubereiteten „Bergfest- Roten“ mit frisch gebackenen Brötchen, diese hat auf dem Bergfest bereits Kultstatus.
 

Damals wie heute spielt Petrus die entscheidende Rolle.
Frühmorgens um 7.00 Uhr treffen sich die Musiker der Musikkapelle auf der Kaiserbergsteige
zur Lagebesprechung bei der die Witterung das Hauptthema am frühen Himmelfahrtsmorgen darstellt. Seit über 50 Jahren steht und fällt das Bergfest mit dem Wetter- und das hat in den vergangenen Jahrzehnten so manche Kapriolen geschlagen.
So manche heftige Debatte ist schon frühmorgens bei nasskaltem Schmuddelwetter geführt worden, selbst Schneeflocken sind schon vorgekommen und es wurde Glühwein statt Bier umgesetzt und die Musiker waren beim Fest die besten Gäste.  

Petrus hat natürlich nicht immer mitgespielt, so dass manches Bergfest sofort oder im Verlauf eines Tages sprichwörtlich ins Wasser fiel, durch Schnee beendet wurde oder mangels Celsiusgrade „Geistreich“ aufgewärmt wurde. Die Folge waren dann oftmals feucht fröhliche Veranstaltungen in deren Verlauf dann meistens einige Musiker ihre Instrumente auspackten um für weitere Stimmung zu sorgen.

So genannte musikalische Prozessionen vom Gipfel ins Dorf, bei welchen das Bewirtschaftungszelt an jeder Ecke von einem Musiker getragen wurde und die Frauen im inneren Teil „Untergebracht“ waren, sollen stattgefunden haben. Bei einer dieser Prozessionen kam einer der Träger dem Abhang zu nahe und brachte sich zum Absturz und das Zelt zum Einsturz.

Ein anderes mal nahm das Unheil bereits in der ersten Kurve seinen Lauf, denn, so die Überlieferungen, hatte offenbar ein Musiker einige Frauen dazu überredet mit Ihm in jeder Kurve einen Toast auf das gelungene Bergfest auszubringen. Gerüchten zufolge soll dies in der Folge zu einem Schnapsverbot geführt haben.  

Zu berichten wäre auch von einem Himmelfahrtstag der aufgrund unvorteilhafter Wetterverhältnisse bereits morgens in der warmen Stube einer Maitiser Gaststube begangen wurde, für manchen einen nachdrücklich, in Erinnerung bleibenden, Verlauf nahm und erst 11 Stunden später nach dem Verzehr einiger noch geschlachteter Hasen beendet wurde.  

Nur ein Bergfest wurde nicht auf dem Gipfel, sondern im Steinbruch der Spielburg abgehalten und dies aus Gründen der Pietät. Nach dem Absturz eines Kleinflugzeuges im Jahre 1984 auf dem Hohenstaufen.  

Dr. Manfred Wörner, CDU Mitglied, ehemaliger Verteidigungsminister und Hohenstaufener Bürger, ein Gönner und Freund der Musikkapelle erschien an einem Bergfest und wurde natürlich zum dirigieren aufgefordert, was er gerne tat. Auf seine Frage was denn gespielt wird, antwortete ihm ein Musiker unter allgemeinem Gelächter „Du schwarzer Zigeuner“.  

Das heutige Bergfest beginnt um 10.00 Uhr mit einem Gottesdienst im Grünen auf dem Gipfel, begleitet von dem Posaunenchor Hohenstaufen.
Im Anschluss spielt die Musikkapelle Hohenstaufen zu einem zünftigen Frühschoppen auf.
Eine Gastkapelle übernimmt dann die musikalische Unterhaltung und fürs leibliche Wohl ist bestens gesorgt.
Die Aussicht auf dem Hohenstaufen lädt zum verweilen ein und man befindet sich
in einem der schönsten und höchstem Biergarten im Landkreis der nur für diesen einen Himmelfahrtstag öffnet.

Das Bergfest lockt jedes Jahr hunderte von Besuchern auf den Hohenstaufen, so auch in diesem Jubiläumsjahr „8oo Jahre Hohenstaufen“, wenn es am Vatertag wieder heißt:

„Auf geht’s“ zum Bergfest.